Beängstigender Vorfall

April 25, 2020 by hotminnie

Zusammenstoß mit der Polizei am Oberen Stadtplatz in Hall am Samstag 25. April 2020, so um 11 Uhr herum

Es ist Corona Bauernmarkt. Der Platz ist wohltuend gefüllt. Die Leute stehen vorschriftsgemäß mit teils zwei Meter Abstand vor den Gemüsestandeln. Deswegen sind die Schlangen, die sich bilden, außergewöhnlich lang, Eine reicht fast bis zum Rathaus. Sie tragen ausnahmslos Masken.
Ein Polizeiauto fährt langsam über den Platz. Der Lautsprecher ermahnt: „Bitte Abstand einhalten!“
Kurz darauf ergießt sich eine Rotte von sechs bewaffneten, mit Mundschutz Masken vermummten Polizisten über den Platz. Sie gehen fast im Schulterschluss nebeneinander, martialischen Schrittes. Auf einer Bank beim Bäcker Ruetz sitzen ein alter Mann und eine alte Frau – in korrektem Abstand voneinander. Die Frau ruft der Polizistengruppe nach: „Abstand einhalten!!” Ein Zeuge sagt später, sie hätte das dreimal getan, und damit provoziert. Sie erinnert sich nur an höchstens zweimal. So ist das mit der leidigen Erinnerung.
Es sind mehrere Frauen in der Polizistengruppe, kecke, junge Frauen mit Roß- schwänzen. Eine von ihnen dreht um, die anderen Polizisten folgen nach und umringen die alte Frau einschüchternd. Eigentlich müssten sie in der Polizeischule lernen, sich nicht provozieren zu lassen. Aber die blonde junge Frau baut sich in ihrer ganzen Größe vor der sitzenden Alten auf. Die hätte wohl aufstehen müssen, um in Augenhöhe zu sein mit der Jungen, das hätte ihr Einiges erspart.
Leider vergessen wir Untertanen das im Akutfall. So blieb die Unterwerfungs- distanz von der da Oben, zu der da Unten. Die alte Frau wird angeherrscht, sie solle ihren Ausweis zeigen. Sie sucht ihren Paß in ihrer Tasche und hält ihn in der Hand. „Warum sie das tun müsse? Was sie getan habe? Sie sitze hier friedlich und unterhält sich mit dem Bekannten.“ Die sechs Polizisten umringen die Alte bedrohlich aufgebaut mit in den Boden gestemmten Beinen.
Das wären Corona Verordnungen. Sie hätten das Recht dazu. „Corona ist längst vorbei!“ argumentiert die Alte. „Die Zahlen sind rückläufig, die Bevölkerung ist zu 90% gesund!“
Die Junge wird schärfer im Ton. „Nichts ist vorbei! Das entscheidet die Regierung!“ Auch einer der Burschen droht, man könne sie abführen! „Warum. Mit welchem Grund? Was gibt Euch das Recht. Ich habe nichts Schlimmes getan!“ „Was machen Sie hier?“ „Ich gehe Gemüse einkaufen.“ Warum stellen Sie sich dann nicht an?!“ „Ich sitze hier friedlich, weil ich mit meiner kaputten Hüfte nicht so lange in einer so langen Schlange stehen kann.“
„Weisen Sie sich jetzt aus! Sofort!“ faucht die Junge. „Aha!“ wiegt die Alte ihren Kopf. „Da sind wir also wieder! Das riecht nach Hitler und Diktatur!“
„Ab jetzt werden Sie gefilmt!“ herrscht sie einer der Männer nun an, und stellt sich mit der Kamera, die wohl in Schulterhöhe an seiner Uniform verborgen ist, direkt vor sie hin. „Warum?“ wundert sich die Alte, erstaunlich ruhig bleibend. „Was gibt Ihnen das Recht, mich zu filmen! Da maßt sich die Exekutive Rechte an, die die Legislative aushebeln! Das kann nicht rechtens sein!“ „Das sind Corona Verordnungen! Wir sind befugt dazu!“
„Ich will sofort einen Rechtsanwalt zum Beistand!“ erlangt die Alte bestimmten Tones. „Das sind die Corona Gesetze! Wir sind dazu befugt!“ „Und warum wissen wir nichts davon? Sie verletzen meine Grundrechte!“
“Mäßigen Sie sich. Wir können Sie verhaften, wegen Störung der öffentlichen Ruhe! Weisen Sie sich jetzt aus! Sonst müssen wir Sie mitnehmen!“ Die Alte überreicht ihren Paß, er geht durch die Hände fast aller Polizisten, dann tauchen noch mindestens zwei weitere Polizisten in Zivil auf, von denen sich Einer mit der Alten unterhält. Die beiden kennen sich von einem ähnlichen Vorfall vor zwei Jahren. Er ist der Postenkomandant von Hall.
„Ah, Sie sind das!“ lächelt die Alte. „Sie haben sich noch nie bei mir entschuldigt!“ „ Ich habe nur das Protokoll aufgenommen. Ich habe Sie nicht verhaftet. Verhalten Sie sich jetzt ruhig, rate ich Ihnen.“
Damals hat eine Gruppe von sechs Polizisten die Alte auf den Boden gerissen und in Handschellen in ein Polizeiauto gezerrt, weil sie allein, mit einer weißen Kerze in der Hand, in weißem Kleid laut Texte der Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner „Die Waffen nieder!“ zu den 28 mit dem Landeshauptmann und der Bürgermeisterin in der Burg Hasegg dinierenden EU Ministern hinübergerufen hat, und damit die im Gasthof Engel Bier trinkenden Schützen belästigt hat.
Später kommt sogar der Vizebürgermeister, der offensichtlich von jemandem verständigt wurde. Er redet mit den Polizisten. Das tun auch ein paar beherzte Bürger, alles hinter den Mundschutzmasken – es ist wirklich eine sehr irrationale, durchgeknallte Szenerie. Die Aufregung bei den Polizisten legt sich. Die Alte bekommt ihren Pass zurück.
Sie stellt sich in eine der Schlangen, die endlich ein wenig kürzer geworden ist. Mit Mundschutzmaske und in korrektem Abstand. Die Polizistengruppe hält weiterhin Posten beim Marienbrunnen und die alte Frau im Auge. Der Vizebürgemeister kommt zu ihr her, auch er kennt sie natürlich, sie ist als Aktivistin stadtbekannt, und erklärt ihr, daß die Polizei den Abstand nicht so genau einzuhalten braucht, wenn sie die Masken aufhaben.
„Sie müssen ja auch im Polizeiauto nebeneinander sitzen können. So ist die Verfügugung.“ „Aha!“ sagt die Alte. „Und warum wissen wir das nicht?“ „Ich sag es Dir ja gerade!“ „Das heißt, wir alle hier, die wir Masken tragen, könnten näher zusammen stehen, und dann wäre die Schlange nicht so lang.“ „Ja! Eigentlich schon!“ Man kann natürlich nicht sehen, daß er sich hinter der Maske einen Grinser verkneifen muss.
„Warum fährt die Polizei dann über den Platz, und fordert uns mit Lautsprecher auf, den Abstand einzuhalten? Warum müssen wir das hinnehmen, daß sie im Pulk so bedrohlich durch uns durchgehen, uns am Bauernmarkt überwachen, ob wir die Abstände einhalten, obwohl wir das gar nicht bräuchten, weil wir alle Masken tragen, und uns Polizisten beim Einkaufen von Gemüse wie Verbrecher überprüfen, und Angst machen? Warum ist das so!? Warum verlangen sie meinen Ausweis, weil ich auf einer Bank sitze, nur weil ich sie darauf anrede, sie sollten wie wir den Abstand einhalten, weil sie das über Lautsprecher von uns verlangt haben, aber sie brauchen sich offenbar nicht daran halten. In Österreich besteht für österreichische Staatsbürger keine Ausweispflicht.“
Als die Alte zu ihrem Fahrrad über den Platz geht, bekunden die meisten Menschen anerkennendes Kopfnicken, und sagen: „Das haben Sie gut gemacht!“
Sie hat ein wenig wackelige Beine und Herzklopfen, als sie aufs Fahrrad steigt und nach Hause in die Quarantäne fährt, wo sie seit 6 Wochen total isoliert lebt, ohne jede Ansprache, denn sie ist mit ihren fast 70 Jahren gefährdete Risikogruppe, lebt allein in einem großen Block, weiter darauf wartet, daß ein vernunftbegabter, fürsorglicher Politiker diese furchtbaren Maßnahmen zurücknimmt, weil die nicht mehr angemessen sind, und die Grundrechte und die Menschenrechte wieder einführt.
Nicht einmal im Gefängnis ist es erlaubt, Menschen zu isolieren. Das ist gegen die Menschenrechte. Kinder über mehrere Wochen daheim einzusperren ist wider- natürlich und eigentlich Körperverletzung. Aber das sind „Corona Maßnahmen“ und die Polizei tut nur ihre Pflicht – legitimiert durch hastige, ohne Debatte durchs Parlament gepeitschte neue Gesetze, die die Bevölkerung nicht kennt. Das hatten wir schon einmal – in einem totalitären Regime – und niemand von uns hätte jemals gedacht, daß wir wieder genau an der selben Stelle stehen würden.

Barbara Weber
Hall
die betroffene Alte

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