Umweltschädliche Zettelwirtschaft

December 14, 2019 by hotminnie

Jeder, der etwa nach Italien oder Österreich reist, kennt das Unwesen. Bei jedem Einkauf, bei jeder Konsumation in einem Lokal, werden Kunden und Gäste mit Unmengen von Kassenbelegen überflutet. Das war dort eingeführt worden, weil Politiker allen Geschäftsleuten und Gastronomen pauschal vorgeworfen hatten, sie seien Betrüger und Steuerhinterzieher.
Geschäfte und Lokale hatten in der Regel mehrere tausend Euro investieren müssen, um der Meldepflicht genügende Geräte anzuschaffen. Besonders in Österreich, wo jeder einzelne Verkauf online an die Finanz gemeldet werden muss, wuchs der Aufwand mittlerweile in unzumutbare Größen.
Die Steuer-Mehreinnahmen sind durch diese Registrierungsflut kaum merkbar angewachsen. Doch die Umweltbelastung – besonders durch das von den meisten Handdruckern verwendete Thermopapier – wuchs enorm an. Ist das der richtige Beitrag zum Umweltschutz?
Nein, sagen nun deutsche Politiker.
Die schon auf einstellige Prozentwerte gesund-geschrumpfte SPD beharrt auf dieser Belegspflicht, als verhältnismäßiges Mittel im Kampf gegen Steuersünder. Nach dem Motto, jeder, der keinen Beleg ausstellt, tue das, um keine Steuer zu zahlen.
Ralph Brügelmann, Steuerexperte des Handelsverbandes Deutschland, sagte, allein Im Einzelhandel in Deutschland müsse mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr gerechnet werden. Die Anzahl und Länge der auszugebenden Kassenzettel werde spürbar zunehmen. Besonders stark betroffen seien Unternehmen, die viele günstige Artikel verkaufen.
Dass künftig allen Kunden ein Beleg angeboten werden muss, hatte zuletzt aber nicht nur zu wachsenden Umweltbedenken wegen der oft auf spezielles Thermo- papier gedruckten Bons geführt, sondern auch zu Warnungen vor einem massiven bürokratischen Aufwand für Betriebe, vor allem auch in der kleineren Gastronomie.
Bundesminister Altmaier kritisierte unverblümt, im gesamten Handel würden Milliarden zusätzlicher Bons gedruckt und in den allermeisten Fällen direkt im Müll landen. Da der Handel ohnedies seine Kassen bis September 2020 auf manipulationssichere Systeme umrüsten müsse, sei die Bon-Pflicht mit Blick auf die Vermeidung von Steuerbetrug zudem alles andere als plausibel.
Die SPD will stur bleiben, es trifft schließlich nur die kapitalistische Wirtschaft. Wird sich Vernunft oder Ideologie durchsetzen? Das Zettel-Chaos in Italien und Österreich, als Vorbild, lässt Schlimmes befürchten.

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