Die Nachgeborenen

November 11, 2019 by hotminnie

Der verstrichenen Zeit entsprechend verkünden viele selbst ernannte Experten zuweilen Unsinniges, über länger zurück liegende Ereignisse. Von denen sie außer dem Hörensagen nichts wissen.
Diesmal traf es den Interims-Außenminister der aktuellen österreichischen Putsch-Regierung, Alexander Schallenberg. Er meinte trocken, 1938 seien „zu viele“ am Wiener Heldenplatz gestanden und hätten Hitler zugejubelt.
Schallenberg existierte damals noch nicht; auch sein Vater hatte sich nicht in Österreich aufgehalten. Deshalb konnte Schallenberg nicht wissen – hätte deshalb lieber nichts gesagt – was wirklich passiert war. Das linksradikale Wikipedia-Blog nimmt die völlig aus der Luft gegriffene Zahl von 250.000 Menschen am Helden- platz an, und stellt auch sonst die gesamte Ereignisse um die Besetzung Österreichs falsch dar.
Ob es einem provisorischen Minister genügen sollte, ideologisch gefärbte Blog-Eintragungen nachzuplaudern, wird angesichts der zweifelhaften Legitimierung Schallenbergs als Minister ohnehin schon nicht mehr gefragt.
Augenzeugen berichteten anderes.
NS-Schlägertrupps hatten in den Vorstädten und Vororten Wiens eine große Zahl von Menschen zusammengetrieben und mit Gewalt zum Heldenplatz geschafft. Wer nicht wollte, wurde gnadenlos zusammengeprügelt. Auf dem Heldenplatz war die Situation nicht anders: Wer nicht laut genug mitschrie – und von 250.000 war bei weitem keine Rede – wurde ebenfalls brutalst versorgt.
Viele Menschen erzählten, oder erzählen noch, ihre Eltern oder Großeltern seien teilweise blutüberströmt, oft schwer verletzt, gerade noch heimgekommen. Jene, die liegen geblieben waren, wurden von der SS still entsorgt.
Schallenberg vermied auch nicht, die auf neudeutsch in „Novemberpogrom“ umbenannte Reichskristallnacht zu erwähnen. Auch da hätte man von einem Berufsdiplomaten erwarten dürfen, den Begriff „Pogrom“ besser zu kennen; nämlich die systematische Vernichtung ganzer Ortschaften und Liquidierung ihrer Bevölkerung, wie es über Jahrhunderte in Osteuropa üblich war.
Den wenigen Quellen zufolge, die sich auf Bezifferungen einlassen, seien in ganz Deutschland im Zuge der Reichskristallnacht rund 90 Juden umgebracht worden. Ohne diese Gewalttaten im geringsten beschönigen zu wollen, hätte es doch auffallen müssen, dass bei einem einzigen Progrom im Osten in der Regel mehr Menschen umgebracht worden waren.
Alexander Schallenberg wurde in den Medien gerühmt, er habe in der Tradition von Altkanzler Franz Vranitzky gesprochen. Dieser hatte bereits früher Österreich als nationalsozialistischen Hort hingestellt und den gewaltsamen Anschluss Österreich an Hitler-Deutschland bestritten. Geschichtskenntnisse waren noch nie die Stärke der Marxisten.

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