Die Ziele des Diktators

October 11, 2019 by hotminnie

Der türkische Diktator Recep Tayyip Erdoğan machte seine Ankündigung wahr, den Nachbarstaat Syrien weiter anzugreifen, um einen Sicherheitskorridor zu errichten. Westliche Medien und Politiker nahmen dieses Märchen bereitwillig auf. Die Türkei sei doch ein wichtiger Verbündeter, müsse deshalb Freiraum haben dürfen, um sich gegen Terroristen zu sichern.
Diese, vom Westen unterstützten Lügen kosteten bisher vielen tausend Menschen das Leben. Denn die Story sieht anders aus.

Die Türkei hatte in den letzten Jahren rund 15 Milliarden Euro von der EU erhalten, unter verschiedenen Titeln, auch wenn das von der EU halbherzig bestritten wird. Einen Großteil dieser Mittel pumpte Erdoğan in die Aufrüstung seines Militärs; der von ihm inszenierte Putschversuch, in dessen Folge die Streitkräfte von allen nicht vollständig gefolgstreuen Truppen gereinigt wurde, bot eine nachhaltige Grundlage dafür.
Schon davor hatte die Türkei die – sunnitisch-islamischen – Terroristen des Islamischen Staates und anderer Gruppen sehr umfangreich mit Waffen und anderem Nachschub versorgt und bei ihren Mordzügen unterstützt; hatte auch regelmäßig von den Terroristen angegriffene Dörfer mit Luftangriffen und Artillerie eingedeckt, etwa in den von Jesiden bewohnten Gegenden. Außerdem hatte die Türkei sehr freizügig europäische Moslems durchreisen lassen, um sich den Terroristen anzuschließen.
Nachdem sich große Teile der Terrorgruppen in die Region Idlib zurückgezogen hatten, belieferte die Türkei weiter ihre Verbündeten mit Waffen und anderen militärischen Gütern. Für die Bezahlung sorgte hauptsächlich die Europäische Union.
Die türkische Armee hatte zuletzt die syrische Stadt Afrin und ihre Umgebung erobert. Islamische Terroristen wurden auf die Bevölkerung – vorwiegend Kurden und viele Christen – losgelassen; mehr als 4000 Menschen wurden ermordet, etwa 200.000 vertrieben, niemand kümmerte sich um sie. Das gesamte Gebiet nördlich von Aleppo ist nun von der türkischen Armee und den mit ihr verbündeten Terrorgruppen besetzt.
Nun kam der nächste Angriff auf Syrien, angeblich zur Schaffung einer Sicher- heitszone gegen die PKK. Zwar ist die PKK eine kommunistische Terrorgruppe, als solche auch in der EU gelistet. Doch die Türkei setzt automatisch PKK mit Kurden gleich. Ganz besonders hatte es Diktator Erdoğan gestört, dass kurdische Freischärler bei der Bekämpfung islamischer Terroristen sehr erfolgreich waren und dem Hauptziel Erdoğans, Syrien seinem neo-osmanischen Reich einzuverleiben, einen schmerzhaften Schlag versetzten.

Worum aber geht es Recep Tayyip Erdoğan wirklich?
In dem nun angegriffenen Streifen wohnen hauptsächlich Kurden. Diese sollen mit allen Mitteln von dort vertrieben werden. Zu diesem Zweck belegen die türkischen Streitkräfte das Gebiet mit flächendeckenden Bombenangriffen und Artillerie- schlägen. Das Märchen, es sollten nur „PKK-Terroristen“ getroffen werden, ist lächerlich, bisher starben mehr als tausend Menschen, vorwiegend Zivilisten. Frauen und Kinder? Nein, nur Kurden.

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„In stolzer Trauer“ meldete die Türkei dazu den Tod eines eigenen Soldaten.

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Von der Türkei aus wurden nach den ersten Angriffen rund 30.000 (sunnitisch-) islamische Terroristen losgelassen. Der überwiegende Teil von ihnen sind Angehörige des Islamischen Staates. Ihr Auftrag: Die ansässige Bevölkerung zu eliminieren, die in Lagern festgehaltenen Terroristen zu befreien und sich für die Eroberung weiterer Gebiete bereitzuhalten.

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Die türkische Bevölkerung zeigte den IS-Söldnern ihre deutliche Unterstützung, unter anderem durch das Zeigen des sogenannten Wolfsgrußes der MHP, einer ultranationalistischen und extrem kurdenfeindlichen türkischen Partei.

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Die Terroristen antworteten vielerorts mit dem üblichen islamischen Todeszeichen, dem erhobenen Zeigefinger.

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Doch die Karte zeigt, was Erdoğan wirklich anstrebt. Im Nordosten Syriens, und bequemerweise im Bereich seiner Sicherheitszone, liegen ergiebige, von der Türkei seit langem begehrte Ölfelder. Weitere große Ölfelder befinden sich südlich davon, ebenfalls im kurdisch kontrollierten Gebiet. Wer glaubt, Erdoğan würde nach wenigen Kilometern haltmachen, dem kann bestenfalls der Intelligenzgrad eines europäischen Politikers zugestanden werden.
Nach Eroberung dieser Gebiete ist es für die Türkei – deren Truppen im Westen schon in Richtung Hama und im Osten nach Al-Hasakah vorgestoßen sind – ein leichtes, auch die Verkehrsader über Palmyra zu gewinnen und damit Damaskus und das syrische Regime vom gesamten Norden und Osten abzuschneiden.
Denn was in der Europäischen Union nicht verstanden wird, ist in der Türkei Allgemeinwissen: In Syrien herrschen die Alawiten, eine schiitische Sekte, denen Erdoğan um jeden Preis das Land wieder abnehmen will, das früher zum osmanischen Reich gehörte.

Reaktionen? Null bis keine. Einige europäische Staaten meinen, man solle keine Waffen mehr an die Türkei liefern. Eine fast großartige Idee – hätte nicht Deutschland allein in den letzten eineinhalb Jahren Waffen für eine runde halbe Milliarde geliefert. Erdoğan darf auf reich gefüllte Waffenkammern zurückgreifen.
Der geplante Genozid an der Kurden stößt in Europa auf Desinteresse. Kurden stören. Willig folgt man der Auslegung Erdoğans, Kurden = PKK.
Die Nichteinhaltung des Flüchtlingsabkommens der EU mit der Türkei wurde schon längst mit Achselzucken abgetan. Täglich kommen hunderte Scheinflüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland. Anstatt sie sofort vereinbarungsgemäß wieder zurückzuschicken, werden sie großteils einfach auf Europa losgelassen.
Wie lange Europa zusehen wird, ist nicht mehr die Frage. Die Europäische Union hat seit ihrem Bestehen in ausnahmslos allen internationalen Konflikten versagt. Zur Türkei hört man deshalb aus EU-Kreisen nur eines: Wann nehmen wir sie als Mitglied auf?

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