Türkische Extremisten im Vormarsch

May 24, 2017 by hotminnie

BERICHT

„Ihr erklärtes Fernziel ist … die weltweite Einführung einer islamischen Staats- und Gesellschaftsordnung nach dem Vorbild des alten osmanischen Reichs unter Führung der Türkei. Die Bestrebungen der Milli-Görüs-Bewegung richten sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.“ So eindeutig urteilt das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz über die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Die in den 1970er Jahren als Gegenbewegung zur laizistischen Staatsordnung in der Türkei entstandene Bewegung ist heute in ganz Europa und drüber hinaus in den türkischen Gemeinden hochaktiv. Gerade läuft die von der IGMG-Zentrale im deutschen Kerpen initiierte globale Infak-Spendenaktion, mit der Projekte in Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen und Österreich unterstützt werden sollen. Es geht um die Errichtung von Moscheen, Kindergärten und Schulen, die im Sinne der IGMG wirken sollen.

„Für eine gesunde und tugendhafte Gesellschaft“

In Österreich steht neben der Mescidi Aksa Moschee in Wien Liesing ein Projekt in Linz auf der Liste: „Regionalzentrum Linz und Imam Hatip Schule – Für eine gesunde und tugendhafte Gesellschaft.“ Die in der Türkei weit verbreiteten IHS-Schulen sind dort Gymnasien für die Ausbildung zum Imamen (Vorbeter) und Predigern.

Platz für 200 Imame in spe

Geht es nach Milli Görüs, soll es so etwas bald auch in Linz geben. Und zwar für 200 religiöse Studenten, wie es in dem Spendenaufruf heißt. Der Standort steht demnach auch schon fest: Die Imam-Schule soll in der Zentrale der Austria Linz Islamische Föderation (Alif) entstehen.

Gebäude für Schule schon für 600.000 Euro gekauft

Das Gebäude mit einer Nutzfläche von 3343 Quadratmetern in der Linzer Lunzerstraße hat Alif laut derem Pressesprecher und Attnang-Puchheimer SPÖ-Gemeinderat Kadir Arslan im vergangenen Jahr für 600.000 Euro erworben.
Alif ist nicht nur in Linz und Attnang-Puchheim, sondern in mehreren oö. Gemeinden — Wels, Steyr, Freistadt, Vorchdorf, Traun, Bad Ischl, Perg — sehr aktiv. Nach Angaben der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) aus 2012 verfügte der Verein schon damals über 7700 Mitglieder.
An einigen Standorten wird Religionsunterricht in einer Form angeboten, die die Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ) als „Koranschulen wie in Afghanistan“ bezeichnet. Türkische Kinder und Jugendliche werden im Koran-Zitieren auf Arabisch gedrillt, selbst kleine Mädchen tragen — „tugendhaft“ — das obligate Kopftuch.

Ein Religionslehrer und zwei Ungereimtheiten

Eine kürzlich erschienene VOLKSBLATT-Reportage darüber bezeichnet Alif-Chef Resul Koca als „Lügen“, ohne zu sagen, welche Fakten falsch waren. Der islamische Religionslehrer an mehreren Schulen im Bezirk Perg bestreitet, etwas mit Milli Görüs zu tun zu haben. „Milli Görüs interessiert mich nicht“, sagt er zum VOLKSBLATT. Auch die Pläne für eine Imam-Hatib-Schule stellt er in Abrede (siehe Interview links): „Es gibt keine Imam-Schule.“
Tatsächlich gibt sich Alif nach außen gern weltoffen. Einmal im Jahr werden in Fußgängerzonen unter dem Motto „Gestatten Muslim“ rote Rosen verteilt und ein netter Islam präsentiert. Initiator dieser auch in Deutschland praktizierten Aktion: Milli Görüs.
Resul Kocas angebliches Desinteresse an dieser türkischen Fundi-Bewegung entspricht nicht ganz der Realität, wie ein Blick hinter die behübschte Kulisse der Parallelgesellschaft offenbart. Denn dort tritt Koca ganz anders auf. Dort ist der Herr Lehrer nicht nur Alif-Chef, sondern auch Regionalpräsident (Bölge Baskani) der IGMG. Konkret auf einem von der IGMG verbreiteten Video, in dem Koca im Insert diesen Titel trägt.
Das Filmchen widerlegt nicht nur die Aussage, „Milli Görüs interessiert mich nicht“, sondern auch das Dementi in Bezug auf das Linzer Imam-Schulprojekt. Denn in dem Video, das sogar auf der Homepage von Milli Görüs Australien zu finden ist, sagt der Alif-Chef auf Türkisch: „Wir hoffen, dass wir mit Gottes Hilfe in diesem Gebäude … unsere Angebote und Dienstleistungen in Form eines Regional- zentrums und Imam-Hatip-Gymnasiums realisieren werden. In diesem Zentrum werden wir über 200 Schüler ausbilden.“
Koca sagt also genau das, was er gegenüber dem VOLKSBLATT bestreitet. Faktum ist: IGMG sammelt Geld für eine Imam-Hatib-Schule in einem bereits gekauften Gebäude in Linz.

Sanktus der Behörde?

Neben Geld und Gottes Hilfe braucht es dafür allerdings auch den Sanktus der Behörden. Schwer vorstellbar, dass es diese für einen Verein wie IGMG bzw. Alif geben kann. Resul Koca dürfte also letztlich Recht behalten, wenn er sagt: „Es gibt keine Imam-Schule.“

© Volksblatt

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