Österreichs dreifache Niederlage

June 23, 2016 by hotminnie

KOMMENTAR

Die erste Niederlage: Das kleine Österreich schied mit Schmach aus der großen Fußball-Europameisterschaft. Schande war es keine, denn die Spieler hatten sich bemüht.
Das veraltete österreichische System — hinten müdes Hin- und Zuspiel, vorne keine Stürmer, dazwischen keine Ideen — konnte mit dem modernen Fußball anderer Nationen nicht mithalten. Spiele gewinnt man, indem man den Ball rasch nach vorne bringt und trifft. Und umgekehrt, den Gegner daran hindert. Von beidem war wenig zu sehen.
Einzelne Spieler brachten Leistung. Das war zuwenig. Andere Spieler brachten nicht einmal das. Der viel umjubelte Alaba fiel durch seine Karottenfrisur und durch zahllose Werbeauftritte auf. Auf dem Feld war und blieb er der schlechteste Spieler. Politisch korrekt zu sein, rechtfertigte seine Aufstellung nicht, so wie in früheren Spielen.
Den Höhepunkt setzte es am letzten Tag: Ausgerechnet ein Rapid-Spieler schoss Österreich aus dem Bewerb. Jener Mannschaft, die der Teamchef nicht beachten will. Obwohl vielleicht ein Florian Kainz Schwung gebracht hätte.

Die zweite Niederlage setze es schon nach dem ersten Spiel. Der beste Teamchef! Die besten Spieler! Wir waren klar die besseren, die anderen gewannen nur mit Glück!
So und ähnlich lauteten alle Kommentare in Medien und der Öffentlichkeit. Keiner wollte die Realität wahrhaben. Mit einem schlechten System, zusammengewürfelten Spielern, keinen Stürmern — denn alle Top-Torschützen in Österreich sind Ausländer, alle Talente werden rasch ans Ausland verkauft und dümpeln dort vor sich hin.
Ohne radikales Umdenken, ohne Weiterentwicklung werden auch in den nächsten Jahren Erfolge ausbleiben. Die Medien trugen ein Gutteil zu dieser Illusion bei, indem sie alle und jeden in den Himmel lobten und dann auf enttäuscht spielten, wie man nur solches Pech haben kann.
Die Hand in der Hose von Jogi Löw, der Finger eines Spaniers waren tagelange Schlagzeilen wert. Statt sich der Realität zu stellen, dass die österreichische Mannschaft und Teamführung grottenschlecht und weit weg vom Niveau anderer Teams war.

Die dritte Niederlage: Der österreichische ORF glänzte bei etlichen Spielen durch völlige Abwesenheit. Wozu hat man einen eigenen Sportkanal? Grausliche Vorstadtweiber statt Europameisterschaft?
Die eingesetzten Kommentatoren verstanden ihren Job nicht. Sinnloses Gequatsche über die Urstrumpftanten und andere Verwandtschaften der Spieler, endlose Tiraden über Statistiken — wen interessiert, ob jemand auf dem Feld 8,9 oder 9,1 Kilometer läuft? — und die Dauerwiederholung der Worte „Standard“ und „Sechser“. Dazu noch unaufhörliche Werbung für Apps und Facebook. Jemand, der sich ein Spiel ansehen will, interessiert sich keine Sekunde für Apps.
Womit wir beim Ansehen sind. Es ist ja, im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert, nicht so unüblich, dass sich Menschen Fußballspiele per Streaming ansehen wollen. Die Bemühungen des ORF, da mitzuhalten, scheiterten auf Kellerniveau.
Der Uralt-Streamingserver, hochtrabend apasfiisl genannt, brach immer wieder weg. Bis zu einem Drittel der Spiele fiel dieser Glanztechnik zum Opfer. Viele stiegen dann auf russische oder andere Server um, um nicht dauernd vor einem Stehbild sitzen zu müssen.
Kann der ORF nicht, oder will er nicht? Die Performance war jedenfalls urig. Im Sinne von urzeitlich.

Baustelle Team, Baustelle Medien, Baustelle ORF. Österreich, das Land der Baustellen, fühlte sich in seinem Element.

Advertisements

Recent Posts

Archives

Categories

%d bloggers like this: