Türkei vor religiösem Fanatismus

April 27, 2016 by hotminnie

BERICHT

Nachdem das Osmanische Reich sich lange Zeit als Hort des Islam betrachtet hatte, wurde diese Einstellung durch den türkischen Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk abgeschafft. Unter ihm wurde die Türkei zu einem laizistischen Staat, in dem Staat und Religion strikt getrennt waren.
Das Auftreten von Recep Tayyip Erdoğan, der aus der fanatischen Milli Görüs kommt und mit seiner AKP einen Einparteien-Staat anstrebt, änderte vieles. Das Kopftuch, als Symbol des politischen Islam (so sagte Erdoğan selbst) wurde wieder erlaubt. Fanatische Sekten wurden hoffähig gemacht, der Antisemitismus unterstützt und eine Frontstellung zu Israel aufgebaut. In der Türkei sind praktisch alle anderen Religionen verboten, oder zumindest nicht offiziell zugelassen. Aleviten, Christen und andere können sich nur am Rande der Gesellschaft bewegen, unter ständiger Bedrohung durch die Justiz.

kahramanDer Sprecher des türkischen Parlaments, Ismail Kahraman, selbstverständlich auch von der AKP, forderte, den Islam in die Verfassung der Türkei aufzunehmen. Allah komme in der Verfassung nicht vor, beklagte er. Die Türkei sei ein islamischer Staat, als Konsequenz müsse sie eine islamische Verfassung haben. Säkularismus sei mit einem islamischen Staat unvereinbar.
Diese Meinung führte verständlicherweise sofort zu massiven Protesten in der Türkei und bei Türken außerhalb.
Staatspräsident Erdoğan versuchte halbherzig, zurückzurudern. Das sei nur die Privatmeinung von Kahraman gewesen, wollte er darstellen. Keiner kann ihm das glauben. Denn kein führender AKP-Politiker würde sich erlauben, eine andere Meinung als jene des Sultan Erdoğan zu vertreten.
Jemand wie Ismail Kahraman am wenigsten. Kahraman ist ein alter Kämpfer des politischen Islam und Namensgeber der AKP.
Seine Meinung zur Verfassung gab Kahraman auf einer Konferenz der “Union von Akademikern und Autoren aus islamischen Ländern” in Istanbul ab. Diese Organisation definiert sich selbst so: Die Union von Akademikern und Autoren aus islamischen Ländern ist eine Nichtregierungsorganisation, die 2011 gemäß Beschluss des Regierungskabinetts gegründet wurde.
Das lässt für Unklarheiten keinen Platz.

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