Exekution auf amerikanisch

January 27, 2016 by hotminnie

BERICHT

Der Landstreit in den USA eskalierte, nachdem zwei Rancher zu einer Zusatzstrafe verurteilt worden waren, weil sie ihr Vieh nach alten Weiderechten auf Bundesland weiden ließen. Ammon und Ryan Bundy, Söhne eines der Rancher, und andere betroffene Viehzüchter hatten reagiert und das Verwaltungsgebäude des Malheur National Wildlife Refuge in Oregon besetzt.
Der Streit um Land im Westen der USA währt bereits seit Jahrzehnten. Eine Bundesbehörde (Bureau of Land Management) verwaltet mehr als die Hälfte des Landes, in Utah sind es sogar 66 Prozent. Rancher, die früher dieses Land als “natürliches Recht” zu Weidezwecken benutzen konnten, werden teilweise davon ausgeschlossen oder müssen hohe Gebühren für die Benutzung zahlen. Bürgerrechtler verlangen deshalb die Übergabe des Landes in die Verwaltung örtlicher Behörden.
Der Unmut gegen diese, aus Sicht der Bürger Behördenwillkür nahm in den letzten Jahren zu, nachdem gegen die Betroffenen mit Polizeigewalt, hohen Strafen und Gefängnis vorgegangen wurde. So etwa hatte 2014 das FBI das Vieh des Ranchers Clive Bundy beschlagnahmt.
Schon in den 1970ern hatte es in mehreren Bundesstaaten, ausgehend von Nevada, die sogenannte Sagebrush Rebellion gegeben, in der die Freigabe von Bundesland für Land- und Fortwirtschaft verlangt worden war.
Die Vorfälle um Burns, Oregon, spitzten sich zu, als sich das FBI einschaltete. Die Anführer der Bürgerrechtler waren am Dienstag von Burns in den nördlich davon gelegenen, über eine Bergkette zu erreichenden Ort John Day unterwegs. In John Day sollte eine Versammlung stattfinden, da auch dort Rancher von dem Landstreit betroffen sind.
Auf dem Highway hatte die Oregon State Police eine Straßensperre errichtet, an der die Fahrzeuge der Bürgerrechtler um 16:25 Ortszeit angehalten wurden. Ein Hit-Team des FBI griff sofort ein, festgenommen wurden Ammon Bundy, 40, sein Bruder Ryan Bundy, 43, Brian Cavalier, 44, Shawna Cox, 59, und Ryan Payne, 32.

finicum2Der Sprecher der Bürgerrechtler, Robert LaVoy Finicum, 55, wurde gezwungen, sich mit erhobenen Händen hinzuknieen, und wurde mit drei Schüssen ansatzlos ermordet. Ryan Bundy, der einzugreifen versuchte, erhielt einen Schuss in den Arm und wurde mit einem Gewehrkolben niedergeschlagen. Keiner der Bürgerrechtler hatte seinerseits eine Waffe verwendet.
Gleichzeitig mit dieser Aktion wurden in Burns Joseph O’Shaughnessy, 45, und Peter Santilli, 50, vom FBI festgenommen. Ein weiterer Aktivist, Jon Eric Ritzheimer, 32, wurde in Peoria, Arizona verhaftet. Später nahm der FBI noch Jason S. Patrick, 43, Duane Leo Ehmer, 45, und Dylan Wade Anderson, 34, fest.
Die Festnahmen erfolgten aufgrund sehr eigenartiger Vorwürfe der FBI-Agentin Katherine Armstrong. Ihre Anzeige (Affidavit) wurde noch am selben Tag in einen Festnahmeauftrag umgesetzt, ohne dass eine tatsächliche Straftat vorlag.
Doch auch dieses “Criminal Complaint” der FBI-Agentin bot nicht den geringsten Grund für die kaltblütige Ermordung von LaVoy Finicum. FBI-Sprecher Greg Bretzing wollte keinen Grund für die Ermordung von Finicum nennen und schwieg sich über die Umstände des Einsatzes aus. Auch aus dem FBI-Bericht geht nichts näheres hervor.

bretzingDas Vorgehen des FBI — schießen, dann überlegen — erinnert an die Einsätze in Ruby Ridge und Waco, bei denen Hit-Teams des FBI ebenso kaltblütig Frauen und Kinder ermordet hatten. Einer der damaligen FBI-Mörder, Lon Horiuchi, war nur wegen einer Sonderbestimmung des Bundesrechts nicht angeklagt worden.

finicumfamRobert LaVoy Finicum war angesehener Rancher aus der kleinen Mormonen-Siedlung Cane Beds, im nördlichen Arizona nahe der Grenze zu Utah. Auch er war einer der vielen, die mit dem Bureau of Land Management um Weiderechte stritten, nachdem die Behörde immer restriktiver wurde. Finicum hinterlässt eine Frau und elf Kinder. Zusätzlich hatte die Familie über die Jahre rund 50 Pflegekinder betreut.
Eine seiner Töchter bestätigte, durch Übertragungen die kaltblütige Erschießung ihres Vaters mitbekommen zu haben. Auch die vom FBI angekündigte Untersuchung wird den mutigen Bürgerrechtler nicht mehr lebendig machen.
Finicum hatte über den Landstreit auch ein Buch geschrieben, das im Handel erhältlich ist.

bookWeithin Entsetzen löste die Berichterstattung über die Vorfälle in Oregon aus. Ausgehend von weit links stehenden US-Medien, wie Washington Post und Gawker, tobten sich vor allem die, zumeist parteigebundenen europäischen Medien aus. Die Bürgerrechtler wurden als “rechtsextrem“, “Terroristen“, “regierungs-feindlich” und ähnliches hingestellt. Wenige Medien außerhalb der USA verstanden, worum es bei dem Landstreit geht, und weshalb US-Amerikaner die US-Verfassung meist höher einschätzen als die Arbeit von Bundesbehörden.
Doch auch Behörden wie das FBI sollten mit Mord nicht so einfach davonkommen.

Advertisements

Archives

Categories

%d bloggers like this: