Mauthausen-Komitee und SPÖ ehren Nazi

May 14, 2014 by hotminnie

BERICHT

Das linksrandige Mauthausen-Komitee, geführt von SPÖ-Funktionär Willi Mernyi, ist immer für eine vorlaute Wortmeldung gut. Diesmal passierte eine solche bei einer KZ-Gedenkfeier in Mauthausen. Geehrt wurde ausgerechnet Richard Bernaschek, der im KZ Mauthausen hingerichtet worden war.
Eine objektive Geschichtsschreibung über die Dreißiger Jahre in Österreich war bisher kaum möglich, weshalb der Name Bernaschek nur wenigen etwas sagt, und auch da meist nur aus Partei-Postillen.
Richard Bernaschek war einer der führenden Akteure des Schutzbund-Putsches 1934, mit dem die Austromarxisten um Otto Bauer die ständestaatliche Regierung beseitigen und die Eingliederung Österreichs in Nazi-Deutschland vorbereiten wollten.
Während der Niederschlagung des Schutzbund-Aufstandes in Linz wurde Bernaschek festgenommen, von seinen Nazi-Freunden befreit und trat in München der Österreichischen Legion bei, die im Auftrag Hitlers gegen Österreich kämpfte. Nach der Niederschlagung des Naziputsches im Juli 1934, an dem Bernaschek teilnahm, floh er nach Moskau. Wegen seiner späteren Doppeltätigkeit für die Nazis und die kommunistische Komintern wurde Bernaschek 1944 verhaftet und nach Mauthausen gebracht.

verleihung_nadel Bernaschek wird aber nicht nur als Mauthausen-Opfer verehrt. Die, seit jeher deutschnationale SPÖ verleiht sogar eine »Richard Bernaschek-Nadel«, mit der verdiente Genossinnen geehrt werden. Eine sozialistische Auszeichnung, im Namen eines bekennenden Deutschnationalen, Nazis, Kommunisten und Aufrührers, ist auch nicht für jedermann verdaulich. Für Genossen anscheinend schon.

Zum Nachlesen ein Beitrag aus dem Archiv:

Der Schutzbundführer Richard Bernašek (häufig fälschlich auch: Bernaschek), geb. am 12. Juni 1888 in Erzebethfalva/Königreich Ungarn, ab 1900 in Linz wohnhaft, zwei uneheliche Kinder (1908 und 1909), heiratet 1911 in Linz Marie Eisenhuber, ab 1911 Wohnsitzwechsel nach Wien, ab Dezember 1913 in Wien XXI., Brünnerstraße 40.
1914 eingerückt, bringt er es nur bis zum Korporal (selbst gibt er fälschlich Hauptmann an), 1919 Rückkehr nach Kriegsgefangenschaft, tschechischer Staatsbürger. August 1919 Staatsbürgerrechtserklärung unter dem falschen Namen „Bernaschek“.
Ab 1919 im Arbeiterrat tätig, 1920 zweiter Obmann neben Richard Strasser, Organisation der bewaffneten Arbeiterbataillone; laut Optionserklärung sei er in seinem Heimatort „durch seine arische Rasse und deutsche Sprache … von der Mehrheit der dortigen Bevölkerung verschieden“; Aufenthalt in den Niederlanden, seit 6. März 1922 österreichischer Staatsbürger; 1923 Rückkehr zum Aufbau des Republikanischen Schutzbundes. Zuerst deren Sekretär, von 1926 bis 1927 deren militärischer Leiter. Stellvertretender Vorsitzender des oberösterreichischen Landarbeiterrates, Landesobmann des Republikanischen Schutzbundes, sozial-demokratischer Landesparteisekretär.
Auslöser des Februarputschversuches und Aufruf zu bewaffnetem Vorgehen gegen österreichische Sicherheitsbehörden (12. Februar 1934, Hotel Schiff in Linz, Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnet, die das Waffendepot ausheben sollten), Festnahme.
In der Nacht vom 2. zum 3. April 1934 vom nationalsozialistischen Justiz-wachebeamten Karl Dobler befreit, in Passau Gespräche mit Gauleiter Bolek und in München mit SA-Obergruppenführer Peschny, Gauleiter Proksch und Landesführer Habicht. Vorschlag des gemeinsamen Kampfes von National-sozialisten unter Einbindung der II. und III. Internationale gegen Dollfuß. Fluchthilfe und Aufenthalt von der NSDAP finanziert. Aufenthalt im Schutzbundlager Zbraslav und in Prag, später auf Einladung in Moskau.
Bernaschek im Frühsommer 1934: „Das Programm der Nationalsozialisten steht uns näher … Österreich ist nicht lebensfähig und daher verlangen wir den Anschluß an ein großes Wirtschaftsgebiet, und zwar als Deutsche an das Deutsche Reich.“ (in: „Die Tragödie der österreichischen Sozialdemokratie“, 5. Kapitel). Und weiter: „Versöhnlich wirkt der Umstand auf mich, dass mit der gleichen Energie und Zähigkeit, mit der man den volksschädigen den Einfluss des Finanz- und Industriekapitals – hierbei aber vorwiegend den des jüdischen – zu bekämpfen sucht, man nun auch den verderbenbringenden Einfluss des Klerus, in beiden Kirchen, zu brechen versucht.“
Fordert eine „Überpartei“ aus Nationalsozialisten, Kommunisten und Soziademokraten. „Demokratische Gedankengänge“ seien, so Bernaschek, bei der österreichischen Arbeiterschaft überwunden.
Noch deutlicher: „Unser Programm kann nicht lauten: Wiederherstellung des Parlaments. Erstens halten die Massen das mit Recht für unmöglich, zweitens begeistert das nicht einen einzigen Arbeiter und Arbeitslosen.“
Ausbürgerung laut Besch. der B.Pol.Dion Linz vom 6. Dezember 1935, Wiedereinbürgerung in das Deutsche Reich nach Vereinbarung mit Gauleiter August Eigruber per 2. Februar 1939, Wohnsitz in Linz.
Tätigkeit für die Allianz Versicherung, die ua auch Unterorganisationen der NSDAP und Gebäude und Personal im KZ Auschwitz und KZ Dachau versichert.
Bis ins Jahr 1944 konspirative Kontakte zu Gliederungen der NSDAP und der Kriminalpolizeileitstelle Linz (dem Reichssicherheitshauptamt Berlin unterstellt).
Festnahme nach dem 20. Juli 1944 nach Aufdeckung des Komintern-Netzwerkes, am 18. April 1945 in Mauthausen hingerichtet.
Kommunisten und SPÖ feiern ihn dennoch als vermeintlichen Widerstandskämpfer.

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