Barbara Mucha Media: Steiler Absturz

August 6, 2012 by hotminnie

BERICHT

Die Verlegerin Barbara Mucha machte sich einen Namen, indem sie Firmen auf Konsumentenfreundlichkeit testete. Österreichs bekannteste Konsumenten-schützerin Barbara Mucha und ihr Testteam haben wieder zugeschlagen und decken auf, hieß es. Alle Stärken und Schwächen des Handels, skandalöse Zustände und peinliche Pannen!
Die Barbara Mucha Media GmbH brachte mehrere Print-Magazine heraus, mit einer Vielzahl von Konsumenten-Informationen. Auf der Internet-Seite http://www.diemucha.at wurde ein Forum installiert. Konsumenten konnten dort Unzulänglichkeiten bei Firmen anprangern. „Die Mucha“ kontaktierte die Firmen und versuchte eine Bereinigung. Bis die Sache aus dem Lot geriet.
Im Internet-Forum der Mucha tummelte sich immer lauter eine Gruppe von Teilnehmern – den identen Darstellungen, Ansichten und der sprachlichen Gestaltung nach eher nur ein einziger Teilnehmer – unter einer Anzahl verschiedener Pseudonyme; wegen ihrer orgienhaften Berichte über Kaffeehäuser „Kaffeerudel“ genannt. Erbittert und in zunehmender Intensität wurden andere Teilnehmer geschimpft, wurden „abweichende“ Meinungen grob abqualifiziert, wurden zunehmend politische Parolen ins Spiel gebracht.
Der Wert eines Forums zeigt sich an seiner technischen Gestaltung und Administration. Mit wenigen Einstellungen wäre es möglich, die Mehrfach-Registrierung von Teilnehmern zu unterbinden. Mit einem brauchbaren Filter-System wäre es möglich, nicht angemessene Beiträge und Kommentare zu erfassen. Das schaffte die Mucha nicht. Schließlich versagte auch noch die Web-Administration. Das kulmierte in der hemmungslosen, und nicht sanktionierten, Beschimpfung hochrangiger Politiker, mit Ausdrücken wie „Nazi“, „Lügner“ und ähnlichem.
Nicht hilfreich war auch die Einrichtung eines zur Gänze unmoderierten Gästebuches, das sich durch eine an Heftigkeit kaum überbietbare Schlamm-schlacht auszeichnete. Im Forum und im Gästebuch war das sogenannte Kaffeerudel tonangebend im Schlammwerfen. Die Allgemeinen Geschäfts-bedingungen der Mucha sahen das Übergehen aller Webinhalte in das Eigentum des Medieninhabers vor. Eine allerhöchste Peinlichkeit, die die Barbara Mucha Media GmbH einfach zu umgehen suchte, indem sie die AGB nicht sehr gesetzfreundlich offline nahm.
Die mangelhafte technische Sicherheit des Forums hatte eine unangenehme Nebenwirkung. Offenbar durch einen kräftigen Spam-Angriff fiel das Forum einige Zeit aus, wurde neu gestaltet. Der Betreiber verzichtete nun darauf, Beschwerden an Firmen weiterzuleiten – zu welchem Zweck das Forum installiert worden war. Das Motto „Sicher haben Sie auch schon ein besonders nettes oder auch frustrierendes Einkaufserlebnis gehabt. Schildern Sie uns hier Ihre Erfahrungen und lesen Sie, was anderen Usern beim Einkaufen widerfahren ist.“ blieb auf der Forumsseite als lächerlich wirkende Reminiszenz stehen.
Firmenantworten blieben klarerweise aus, das gesamte Forum verkam rasch zu einem aufwendigen Chat-Room. Allerdings mit den gleichen Problemen, wie gehabt. Eine Web-Administration existiert nicht mehr, die ärgsten Beschimpfungen bleiben unangetastet stehen. Jeder Teilnehmer kann im Forum beliebige Alias-Namen registrieren und einsetzen, die unvermeidliche Schlammschlacht dadurch vervielfältigen.
Was die Barbara Mucha Media GmbH nicht verstanden hat: Auch im Bereich Foren und Chaträume ist eine Moderation nicht wegzudenken. Was ist Moderation? Unter Moderation versteht man im Allgemeinen die Gesprächsleitung. Der Moderator hat auf die Einhaltung des Themas zu achten und sorgt dafür, dass die Gespräche auf einer sachlichen Ebene bleiben. Er bereitet das Thema vor, stellt Regeln auf und straft notfalls diejenigen, die sich nicht an sie halten. Außerdem sollte er neutral sein und alle Beteiligten gleichmäßig zu Wort kommen lassen. Unbedingt muss ein Forenmoderator bei Rechtsverletzungen reagieren, sobald er von entsprechenden Beiträgen erfährt.

Diese Selbstverständlichkeiten scheinen an der Mucha spurlos vorüber gegangen zu sein. Die Folgen waren hausgemacht.
Die schon im früheren Forum auffällige Teilnehmergruppe nützte den quasi rechtsfreien Raum für heftigsten Aktionismus. Österreicher, Türken, Juden und andere werden in wirklich ordinärster Weise angegriffen. Linksextreme und nationalsozialistische Parolen gleichermaßen werden ungeniert geschwungen. Werbung für extremistische Organisationen aus Deutschland und Österreich erstickt nun jeden Ansatz für Konsumententhemen. Die Teilnehmergruppe mit Bezeichnungen wie „Aufpasser“, „kritischer Konsument“, „Emma“, „Niestaspopolos“ und einem guten Dutzend ähnlicher Namen kennt keinen Rückhalt mehr, nützt das Fehlen einer Webadministration; nicht genehme Meinungen anderer werden im besten SA-Stil buchstäblich verbal niedergeknüppelt. Nach dem neuen Motto: Piefkes gegen Ösis – das ist Brutalität. Erbarmungsloser Länderkampf statt Konsumententhemen. Ob das so gewollt war?
Das zeitweilige wahllose Löschen ganzer Beiträge kann schwerlich als Moderation bezeichnet werden. Auffällige und gegen Regeln verstoßende Teilnehmer wären zu verwarnen und bei Wiederholung zu sperren. Wie es in anderen Foren die Regel ist.
In Deutschland verfolgt das BKA konsequent die Verbreitung von nationalsozialistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut sowie die Verherrlichung des Nationalsozialismus. In Österreich dagegen schafft es nicht einmal ein Medienbetreiber, für Sauberkeit im eigenen Forum zu sorgen.
Chefredakteur der Barbara Mucha Media ist Mag. Michael Ring, der Politik und Kommunikationswissenschaften studiert hatte, daher wissen sollte, wie es zu laufen hätte. Michael Ring war nicht erreichbar, konnte oder wollte keine Stellung nehmen.
Das interne Klima der Mucha scheint auch nicht gerade das beste zu sein. In Bewertungssystemen liest man als ersten Kritikpunkt, Mitarbeiter seien auch nur Menschen, keiner bleibe länger als 3 Monate.

Schade um ein einstmals gutes Konsumenten-Forum. Die Barbara Mucha Media GmbH wird sich fragen müssen, ob sie sich diesen rechtlosen Zustand weiter antut. Oder ob sie einen von zwei notwendigen Wegen wählt:
Entweder, das Forum auf den notwendigen technischen Standard zu bringen, eine effektive Moderation vorzusehen und die extremistische Teilnehmergruppe zu entfernen.
Oder, das Relikt Mucha-Forum still und leise zu entsorgen.

Nachtrag:
Unterstützt “Die Mucha” nationalsozialistische Wiederbetätigung?

Teilnehmer des Konsumentenschutz-Forums der Barbara Mucha Media GmbH berichten von einem neuen, Besorgnis erregenden Vorfall. Ein Teilnehmer des Forums, mit der Bezeichnung „kritischer Konsument“, beschimpfte neuerlich Juden und „Schwarze“ und bestätigte den von Neonazis in Deutschland geforderten Boykott jüdischer Geschäfte. Ein anderer Teilnehmer, der mit „Shabbat Shalom“ antwortete, wurde darauf hin vom Redakteur der Mucha gesperrt.
Dadurch ermutigt, postete der Teilnehmer „kritischer Konsument“ einen langen Beitrag über Nazi-Methoden in einem Forumsbeitrag. Durch die Unterstützung von Postings mit nationalsozialistischen und rassistischen Inhalten und die Zensur gegenüber kritischen Stimmen in ihrem Internet-Forum tat die Barbara Mucha Media GmbH einen großen und entscheidenden Schritt in Richtung eines offen Nazi-freundlichen Mediums.
Es ist nicht mehr die Frage, ob das so geplant war. Diese letzten Aktionen beseitigten eindrucksvoll Zweifel an der Gewolltheit der Richtung.

© xlarge.at

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