Geschenke mit Inflationsausgleich?

November 27, 2010 by hotminnie

KOMMENTAR

Wien, eine hoch verschuldete Stadt, kann auch splendabel sein. Wie splendabel, ist allerdings wenigen bekannt.
Zwei so genannte Theatermacher traten dieser Tage an die Öffentlichkeit, Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann. Zusammen betreiben sie eine Bühne, das Odeon-Theater im 2. Wiener Bezirk. Die beiden beklagten sich bitterlich, sie würden schon seit 18 Jahren eine Subvention in stets gleicher Höhe erhalten, so könne es schlicht nicht weitergehen. Die Subvention würde nur die Hälfte der Kosten decken.
Bei der Subvention, die zu niedrig sei, handelt es sich um die Lappalie von 690.000 Euro. Nicht insgesamt, sondern pro Jahr. Runde Zwölfeinhalb Millionen Euro, die den Theatermachern also in dieser Zeit zugeflossen sind. Oder umgerechnet, 57.500 Euro im Monat, 216 Monate hindurch. Aus dem defizitären Stadtsäckel, der sich mehr schlecht als recht von Steuern und Abgaben nährt, deshalb ständig hungrig nach höheren Gebühren und höheren Zuwendungen der geizigen Steuerzahler Ausschau hält.
57.500 Euro, netto versteht sich, wäre für viele ein ganz hübsches Jahresgehalt, von dem ein großer Teil der Wienerinnen und Wiener allerdings nur träumen kann. Wie viele Bezieher von Sozialhilfe, von Mindestrenten, von ähnlichem, leben in Wien? Wer weiß es, wer würde es wissen wollen. Die Gemeinde Wien setzt Prioritäten, da sind notleidende Bühnen eben wichtiger als notleidende Bürger. Sozial erhält in Wien eine andere Bedeutung. Nicht umsonst wird in mehreren Ausstellungen das Rote Wien gerühmt. Einen Betrieb mit eigener Kraft erwirtschaften, ist nicht jedem gegeben. Dann besonders nicht, wenn eine andere Möglichkeit so leicht fällt.
Wie gelangt man an solche horrenden Beträge? Die Frage beginnt im Gemeinderat, von dem eigentlich solche Beträge abgesegnet werden müssten, hinterfragt werden sollten. Fiel es niemandem auf, über die Jahre hinweg, dass da Million um Million dahinfloss? Stets der gleiche Betrag, das bedeutet, es musste keine Abrechnung vorgelegt werden? Wurde einfach von der Stadtfinanz ein Dauerauftrag eingerichtet? Wurde ein jährlicher Scheck abgeholt? Schrieben die Theatermacher vor Weihnachten einen Brief, „Lieber Michi, bitte erinnere Dich…”? Erschien bei ihnen ein Kämmerer, einen Geldkoffer zu übergeben? Diese Fragen sind müßig, eine vernünftige Antwort wäre nicht zu finden.
Was mag die Gegenleistung für eine solche Dauer-Alimentation sein? In Wien – besondere Parteitreue? Es muss schon mehr dahinter stecken, Piplits und Kaufmann sind nicht die einzigen Empfänger solcher Almosen. Nicht jeder hat aber die Kühnheit, ein Mehr von diesem Gratisunterhalt zu verlangen. Piplits gab sich in den Medien verärgert, dass offenbare andere eine Erhöhung bekämen, bei den Forderungen seiner Bühne aber nicht reagiert werde. Dahinter vermutete Piplits sogar eine nicht sehr konstruktive Absicht, so drückte er es aus. Man müsse nun sogar die nächste Premiere verschieben, wenn die Stadt nicht mehr ausspucke.
Spucke ist das einzige, das hier wegbleibt. Österreich wird sich trösten müssen – Wien ist anders. Betont anders sogar. Der auffallendste Unterschied zu anderen Städten ist das absolute Schweigen, mit dem Aktionen dieser Art in Wien hingenommen werden.

Archives

Categories

%d bloggers like this: